SoundscapeKleiner Rundweg · Nº 22
Übergang Dorfrand/Wiese/Wald

4 Tonaufnahmen an diesem Ort · am schönsten mit Kopfhörern
Aufnahme 01 / 04
Hahn, Vögel, Sägearbeiten

Im Übergangsbereich zwischen Dorf, Wiese und Wald hören wir vielfältige und abwechslungsreiche Klanglandschaften mit hörbaren Anteilen von Biophonie, Geophonie und Anthropophonie. Was ist Soundscape-Ökologie und wie setzt sich eine Klanglandschaft zusammen?
Wiesen, Weiden, Bauerngärten, Wälder: In einer dörflichen Kulturlandschaft wie hier in Kappel ist Platz für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren mit unterschiedlichsten Lebensansprüchen. Vor allem die typischen Gartenvögel wie Amseln, Rotkehlchen und Meisen mögen einen Mix aus Hecken, Baumbeständen und offeneren Wiesenbereichen. Im Übergang zwischen Dorfrand, Wiese und Wald vermischen sich die Gesänge von Wald- und Wiesenvögeln mit den verschiedensten Geräuschen aus dem Dorf und den Klängen der Arbeitswelt aus Wald und Flur.
Text: Dr. Sandra Müller
Aufnahme 02 / 04
Rotkehlchen

Die Geräusche und Klänge biologischen Ursprungs nennt man Biophonie. Hier ein schönes Beispiel vom Gesang eines Rotkehlchens - ein Vogel, der häufig in und um Kappel zu hören ist. Rotkehlchen bewohnen unterholzreiche Laub- und Mischwälder, Waldränder oder Hecken. Neben der Hauptgesangszeit zur Brut (von März bis Juni) zeigen Rotkehlchen auch einen ausgeprägten Herbstgesang. Darüber hinaus verteidigen Männchen, die hier überwintern, ihr Revier selbst im Winter, so dass ihr Gesang uns auch in der kalten Jahreszeit erfreuen kann. Das Rotkehlchen ist insgesamt kein seltener Vogel. Flurbereinigung, Verbauung und die Ausräumung der Landschaft vermindern aber langfristig die Bestände.
Text: Dr. Sandra Müller
Aufnahme 03 / 04
Beispiel Anthropophonie, Sägearbeiten

Die vom Menschen verursachten Geräusche werden als Anthropophonie bezeichnet. Sie sind allgegenwärtig: die Geräusche und Stimmen aus dem Dorf, die Schallemissionen von land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeiten sowie der fast allgegenwärtige Lärm des Straßen- und Flugverkehrs. (Mehr Informationen zur Rolle der Anthropophonie erwarten Sie am Punkt: „Baum der Erkenntnis“.)
Text: Dr. Sandra Müller
Aufnahme 04 / 04
Gewitter

Die Klänge eines Baches, der Wind in den Bäumen, der Regen, der auf das Blätterdach fällt, und Gewitter – alles das, Geräusche der unbelebten Natur, nennt man Geophonie. Hier am Übergang zwischen Dorf, Wiese und Wald vermischen sich die Klänge, man hört Anteile von Biophonie, Geophonie und Anthropophonie.
Wie diese Klangelemente zusammenspielen, untersucht die Soundscape-Ökologie. Man nennt sie auch Öko-Akustik. Dies ist eine neu entstehende Fachrichtung, die Aspekte von Landschaftsökologie, Psychoakustik, Bioakustik und der akustischen Ökologie vereint. Sie wurde 2011 erstmals öffentlich beschrieben und definiert. Die Wortschöpfung „Soundscape“ ist allerdings schon älter und setzt sich aus den englischen Wörtern „Sound“, das sowohl für Klang als auch für Schall steht, und „Landscape“ zusammen. Der Begriff „Soundscape“ wurde in den 1960er Jahren von Murray Schafer geprägt, einem Mitbegründer der akustischen Ökologie. Er und seine Mitstreiter waren die Ersten, die an der systematischen Analyse und Charakterisierung von Soundscapes wissenschaftliches Interesse zeigten. Im Gegensatz zur Ökoakustik rückt die akustische Ökologie den Menschen ins Zentrum der Untersuchung und nicht das Ökosystem und seine Funktionen.
Text: Dr. Sandra Müller