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InfotafelKleiner Rundweg · Nº 5

Pfarrkirche

Wie auch eine kleine Kirche große Schätze beherbergen kann.

Erzählt von Klaus Gülker

Pfarrkirche
Abb. 1Pfarrkirche · 14 Abbildungen
Zum ganzen Lied
„Das Kirchlein winkt vom Bergeshang dem Wand´rer freundlich zu!“

heißt es im Kappler Lied von 1936. Fürwahr, die Lage der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Freiburg Kappel fügt sich anmutig ins Orts-und Landschaftsbild ein; die schlichte Baukunst von 1747 kann sich sehen lassen, die darin anzutreffenden Kunstwerke mit ihren Besonderheiten lohnen die Einkehr.

Manfred Reichard

Eine Bildergeschichte

Abb. 2Betritt man den Innenraum, fällt der Gesamtblick nach vorne auf die drei Altäre.
Abb. 3Links des Chorbogens steht der sogenannte Bruderschaftsaltar mit der „Mondsichelmadonna“, eine spätgotische Skulptur aus der Werkstatt Hans Wydyz, um1500, das madonnale Gnadenbild bezieht sich auf die neutestamentliche Offenbarung (12,1): „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, unter ihren Füßen der Mond.“
Abb. 4die zusammen mit dem großen Kreuz aus dem frühen 16. Jhd. an der hinteren Langhauswand den künstlerischen Höhepunkt dieser kleinen Kirche darstellt.
Abb. 5Blickt man dort zum oberen goldgerahmten Altarbild, will man seinen Augen kaum trauen: eine vornehm gekleidete Frau hält dem Beobachter in einer kleinen Schale weibliche Brüste entgegen.
Abb. 6Wie das? Es stellt die heilige Agatha von Catania dar, die sich im 3. Jhd. weigerte, dem Glauben an Christus abzuschwören und deshalb schlimmste Marter durchzustehen hatte, unter anderem wurden ihre Brüste abgeschnitten. Aus dieser frühchristlichen Legende entstand jenes Überlieferungsbild, welches sich auf der gegenüberliegenden Seite als Halbfigur wiederholt.
Abb. 7Am rechten Seitenaltar blickt uns die vom Freiburger Rokoko-Künstler Wenzinger und seinen Schülern 1773 geschaffene „Annaselbdritt“ entgegen; die Geschlechterfolge also der Mutter Anna, ihrer Tochter Maria und des Jesuskindes.
Abb. 8Bemerkenswert auch ist die Skulptur rechts daneben, der heilige Josef mit dem Jesusknaben auf dem Arm, eine für uns moderne Szene, da sich zurecht auch die Väter liebevoll und verantwortlich um ihre Kinder zu kümmern haben.
Abb. 9Der Chorbogen fasst würdig den barocken Hochaltar ein mit dem wertvollen Tabernakel des Sakralkünstlers Matthias Faller von 1731.
Abb. 10Das alles bestimmende Altarbild zeigt die Kirchenpatrone Petrus mit dem Himmelsschlüssel und Paulus mit dem Schwert, durch welches er das Martyrium erlitt;
Abb. 11ein Deckengemälde thematisiert zudem Pauli Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus, in der Apostelgeschichte sehr eindrücklich erzählt.
Abb. 12Über dem Altarraum aber bildet sich Christus im Symbol des Lammes ab als Sieger über Leiden und Tod. Der vom alttestamentlichen Prophet Jesaja angekündigte Gottesknecht, der sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen lässt, wird vom Tode zum Leben erweckt. Die Lanze, die im Lamm steckt, trägt am anderen Ende die Siegesfahne, welche an Ostern der Auferstandene in Händen hält. Wir sehen ein blutrotes Kreuz auf weißem Grund; es mag Zufall sein, dass dies oft verwendete Fahnensymbol auch das des Freiburger Stadtwappens ist.
Abb. 13Im hinteren Raum der Kirche entstand 2014 am früheren Ort des Beichtstuhles ein Kunstwerk unserer Zeit, der Raum der Versöhnung mit einer erlebenswerten Kreuzdarstellung – über Entstehung und Inhalt dieser Kostbarkeit liegt eine Broschüre aus, die erworben werden kann.
Abb. 14Beim Verlassen der Kirche und des Friedhofs kann man am Denkmal für die Toten der Weltkriege stehen bleiben. Das Bedenkenswerte dort ist, dass dieses Ehrenmal nicht das Soldatenheldentum zum Thema hat, sondern den vom Kreuz abgenommenen Friedensfürsten, um den die Mutter trauert und jede gleichso betroffene Frau. Es ist eine deutliche und tröstliche Botschaft: nicht menschliche Macht, sondern die göttliche Ohnmacht bringt den Frieden, der hinausgetragen werden will in die eigene und fremde Welt.

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